Bericht aus der WAZ von Bernd Kassner. Seit 45 Jahren bereits gibt es Kontakte zwischen Witten und dem israelischen Landkreis Lev Hasharon, und seit 30 Jahren besteht jetzt die offizielle Partnerschaft. Das wurde nun gefeiert - mit einer Bürgerreise vom 11. bis 21. Oktober in den israelischen Partnerkreis.

Am Anfang gab es einige Skepsis, auch auf israelischer Seite. Karlheinz Dressel, Vorsitzender des Freundeskreises der Israelfahrer: „Bevor es beispielsweise zu einem Jugendaustausch kam, war erst eine Gruppe von Israelis hier, die wissen wollte, inwieweit Nazis im Wittener Stadtbild präsent waren.” Nach 13 Jahren Freundschaft und Begegnung mündeten die Kontakte 1979 schließlich in eine offizielle Städtepartnerschaft.

Jetzt, 30 Jahre später, fuhren 19 Wittener nach Israel, mit ihnen der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Witten der deutsch-israelischen Gesellschaft, Altbürgermeister Klaus Lohmann. „Einige hatten vorher sogar einen Hebräisch-Kurs an der VHS gemacht”, sagt Lohmann. „Wir hatten alle einen gemeinsamen guten Draht, und die Familien haben sich gefreut, dass die Mitglieder der deutschen Gruppe einige Worte Hebräisch sprachen.”

Einmal, erinnert sich Klaus Lohmann, sei die Partnerschaft überschattet gewesen, und zwar während des Golfkrieges. Der irakische Diktator Saddam Hussein hatte aus Witten Pumpen für landwirtschaftliche Zwecke bekommen. Dressel: „Diese Pumpen hatte er zu Raketenantrieben umbauen lassen und damit Israel bedroht.”

Das ist vorbei und hat der Partnerschaft auf Dauer keinen Schaden zugefügt. „Wenn ich in Lev Hasharon bin, dann bin ich zu Hause”, schwärmt Lohmann. Elf Tage war die Gruppe in Familien untergebracht und reiste von Lev Hasharon quer durch das Land von den Golan-Höhen über Jerusalem bis in den Süden. Bei der Festveranstaltung trat vor 400 israelischen Gästen auch der „Junge Chor Kinereth” auf, neben einem weiteren Chor, einer israelischen Tanzgruppe und einer Jugendband. Auch der Wittener Chor war schon vor 30 Jahren dort, als die Urkunden über die Städtepartnerschaften ausgetauscht wurden.

„Die Israelis sind ebenso wie wir stolz auf die Partnerschaft”, sagt Karlheinz Dressel. „Denn es ist eine lebendige Partnerschaft, die weit über einen reinen gegenseitigen Delegationsbesuch hinaus geht. Eine so lebendige, bürgernahe Partnerschaft gibt es sonst in Deutschland nicht.” Die eine oder andere Rede gehöre zwar auch dazu, „aber wenn es nicht zu persönlichen Begegnungen kommt, dann quietscht die Achse.”

An der Volkshochschule wird es jetzt einen weiteren Hebräisch-Kurs geben, freut sich Klaus Lohmann. „Und die Leute, die jetzt zum ersten Mal in Israel waren, die sind nun ,infiziert' - und wollen bald wieder hin.”

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