Anlässlich des Festabends zur Feier der Freundschaft zwischen Witten und Kursk sprach Vorstandsmitglied Peter Hegholz. Foto: Manfred Sander

WAZ. Der Freundeskreis Witten-Kursk hat sein 30-jähriges Bestehen im Foyer der Volkshochschule gefeiert. Das Thema des Jubiläumsabends war kritisch gewählt: „Diplomatie von unten: Städtepartnerschaften heute. Was treibt die Bürger der Städte heute noch an sich zu engagieren. Und sind diese Partnerschaften noch zeitgemäß?”

Dieter Boele, einer der fünf Vorsitzenden des Freundeskreises Witten-Kursk fasst zusammen: „Man könnte meinen, der Sinn der Städtepartnerschaften ist erfüllt. Wir haben ein weitgehend friedliches Europa, die Menschen haben Reisefreiheit. Es braucht nicht mehr unbedingt eine Städtepartnerschaft, um in einem anderen Land jemanden kennen zu lernen.“

Eine Sorge der Kursker ist, dass die Wittener die Kontakte aufgrund der politischen Spannungen zwischen Europa und Russland einstellen könnten. Festabendbesucher Raimund Karmeniak sieht das allerdings entspannt: „Wir machen immer wieder die Erfahrung eines sehr herzlichen Miteinanders. Beim letzten Mal sagten die Kursker: Wir freuen uns auf unsere Deutschen.“ Er will die Freundschaft „von unten her“ angehen. Ebenso wie Dieter Boele: „Gerade in einer Situation, in der die Zäune wieder hoch gezogen werden und Nationalismus aufkommt, wenn die Welt in längst überwunden gedachtes Blockdenken verfällt, braucht man die Städtepartnerschaften.“

Der Freun­des­kreis Wit­ten-Kursk hat etwa 70 Mit­glie­der. Die fünf Vor­sit­zen­den füh­ren die Ge­schäf­te gleich­be­rech­tigt: Die­ter Boele, Rita Boele, Peter Heg­holz, Peter Kie­sel­bach, Udo Wal­den-Muth.

Der Freun­des­kreis in­iti­ier­te die Part­ner­schaft zwi­schen Wit­ten und Kursk, die 1991 auch vom Rat be­schlos­sen wurde.

Die Freundschaft zwischen Witten und Kursk zeigt sich auch in Kooperationen der Schulen. Die Holzkamp Schule ist seit etwa zehn Jahren mit der Schule Nummer 32 in Kursk befreundet und empfängt im kommenden Jahr eine Schülergruppe. Die Hardenstein Gesamtschule, seit einem Jahr befreundet mit dem Lyzeum Nummer 6, wird Kursk noch in diesem Jahr besuchen. So will der Freundeskreis auch jüngere Mitglieder gewinnen.

Das freut Nadja Soitikowa (28), die seit vier Jahren Vorsitzende des Kursker Freundeskreises ist. 2012 war sie zum ersten Mal als Dolmetscherin für eine Theatergruppe in Witten. „Die Städtepartnerschaft ist eine Möglichkeit zu verstehen, was richtige Freundschaft ist. Das ist für mich persönlich fast wie eine zweite Familie.“

Beate Telgheder (53) ist erst seit dem Sommer Mitglied im Freundeskreis. Sie hat das Land über die Gruppe viel besser kennen gelernt als bei einer konventionellen Reise, wie sie selbst sagt. Besonders beeindruckt war die sehbehinderte Wittenerin von der Arbeit der Blinden- und Sehbehinderten Akademie in Kursk. Telgheder wünscht sich für die Zukunft des Freundeskreises vor allem, dass mehr junge Menschen mitwirken und an dem Austausch teilnehmen. „Wir können an politischen Fakten nichts machen, aber das Miteinander auf kleinerer Ebene, da können wir uns einbringen. Hier liegt auch eine große Chance, Kulturen gegenseitig zu verstehen.“

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