WAZ. Lev Hasharon in Israel, Mallnitz in Österreich, Mekelle in Äthiopien – Wittens acht Partnerstädte sind auf dem halben Globus verteilt. Seit 30 Jahren schlägt der Partnerschaftsverein eine Brücke zu ihnen und verbindet die einzelnen Freundeskreise auch untereinander. Am gestrigen Sonntag wurde das Jubiläum im Ardey-Hotel gefeiert.

Alles begann vor etwa 40 Jahren: „Nach einer Wanderung nach Arnsberg gab der damalige Bürgermeister Klaus Lohmann das Versprechen, auch in die Partnerstadt Beauvais zu laufen“, erinnert sich Mitgründer Erich Brehm (76). Aus der angekündigten Wanderung wurde nichts – dafür stiegen die Wittener auf den Drahtesel. Bei einer der Radtouren, die dann jährlich stattfanden, entstand die Idee für einen Verein. Und zwar nicht nur zum Radfahren, sondern mit weiterreichenden Zielen: „Schon laut Satzung wollen wir uns gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzen“, sagt Erich Bremm in seinem Grußwort. Der Satz wird ins Englische übersetzt, die Gäste klatschen.

Zur Feier sind alte Wegbegleiter des Vereins gekommen – aus nah und fern. „Der Austausch mit den Partnerschaftsstädten ist sehr wichtig“, sagt Marie-Anne Fizet-Gorin (63) aus Beauvais. Aus dem französischen Städtchen sind auch Marie (16), Marion (16), Laura (17) und Florine (18) gekommen. Sie gehören zu den wenigen im Saal, die unter 50 sind. Die vier sind zum ersten Mal in Witten – und sind begeistert. „Wenn alle Länder etwas alleine machen, ist es schlecht“, sagt Marie.

Das Konzept der Städtepartnerschaften sei auch im Jahr 2017 noch nicht überholt, sagt Bürgermeisterin Sonja Leidemann. Die 57-Jährige ist seit letztem Jahr Vorsitzende des Vereins. Leidemann: „Durch die Partnerschaften entstehen persönliche Kontakte. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man für einen Urlaub in ein fremdes Land reist.“ Auch die Wittener Jugend profitiert. Über hundert Jugendliche besuchten jedes Jahr eine Partnerstadt, so die Bürgermeisterin.

Von Altersmüdigkeit ist in den Reihen der Städtepartner nach 30 Jahren noch nichts zu spüren. Und gerade in Zeiten von Brexit und Rechtspopulisten scheint der persönliche Austausch wieder besonders wichtig zu sein.

WAZ-Bericht

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