Łukasz Kępski (33) engagiert sich für die deutsch-polnische Völkerverständigung und hält immer wieder Vorträge in Witten zu seinen Forschungen über Migration. Foto: Barbara Zabka

WAZ. Kurzgeschorener Schopf, schwarze Nerdbrille und lachende Augen: Łukasz Kępski wirkt, wie man sich einen Intellektuellen aus Polen vorstellen würde. Als wir ihn zu einem Gespräch in der Buchhandlung Lemkuhl besuchen, sitzt er am Tisch und spielt Schach. Der 33-jährige Historiker aus der Nähe von Wittens Partnerstadt Tczew ist zum vierten Mal zu Gast in der Ruhrstadt. Und der Pole hat eine besondere Beziehung zu seinen deutschen Gastgebern: „Einer meiner besten Freunde lebt hier. Wir denken zusammen!“

Der Freund, das ist Peter Liedtke, Vorsitzender des Freundschaftsvereins Tczew-Witten, mit dem Lukasz nicht nur das Engagement für die deutsch-polnische Verständigung verbindet, sondern vor allem eine Leidenschaft: die Liebe zur deutsch-polnischen Geschichte. Mehrmals hat Kępski, der in seiner Heimat als Lehrer arbeitet, darüber bereits in Witten referiert.

„Wir, die Deutschen und die Polen, wissen zu wenig übereinander“, meint Wissenschaftler Kępski. „Dabei haben wir so viel gemeinsam.“ Zu seinen aktuellen Forschungsprojekten zählt die Geschichte der Stadt Nowy Dwór Gdański (übersetzt: neuer Hof bei Danzig) in Polen, wo Kępski zurzeit in einem Museum als Pädagoge angestellt ist. Zweiter Schwerpunkt ist das Weichseldelta in Polen – die Region, wo der Fluss Weichsel in die Ostsee mündet. Zudem arbeitete der Historiker über die Geschichte des ehemaligen Weltkonzerns „Hertie“ und über die Juden in Danzig.

Was hat das mit Witten zutun, Herr Kępski? „Sehr viel. Was mich bei meiner Arbeit reizt, ist das Thema Zuwanderung. Es gibt kaum eine Stadt in Europa ohne Zuwanderer. Nowy Dwór Gdański hätte ohne Zuwanderer nicht wachsen können. Das Weichseldelta wäre ohne niederländische Einwanderer nicht mit seinen Hochwassern fertig geworden. Witten hätte ohne Zuwanderer keine Industrie aufbauen können.“

Dass Menschen wandern, aus welchen Gründen auch immer, sei ein weltweites Phänomen. „Und ein verbindendes Element auch zwischen Witten und Tczew.“ Kępski: „Schauen Sie, wären nicht so viele Polen damals nach Witten ausgewandert, hätte Witten keine Arbeiter für seine Zechen gehabt.“

Und womöglich wäre auch Łukasz Kępski selbst nie in Witten gelandet, hätte ihn das Fernweh nicht irgendwann gepackt. Erst das Studium in Norddeutschland, und natürlich die Cousine, die schon seit Jahrzehnten mit Mann und Kind in der Ruhrstadt lebt. „Kommen, Gehen, das passiert einfach“, meint der Historiker.

Seine eigene Familie – Frau und ein anderthalbjähriges Kind – wartet zurzeit in Polen. Doch Papa Łukasz wird nicht leerer Hände heimkommen. Im Gepäck trägt er eine Badeente für seinen Sohn: das Abschiedsgeschenk seines Wittener Freundes.

WAZ-Bericht von Tina Bucek

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