Stolz auf den schönen neuen Plan: Sebastian Klebe und Florian Backhaus (a design collectiv), Dr. Martina Kliner-Fruck (Kulturforum Witten und Leiterin Stadtarchiv), Christoph Ebner (Arbeitskreis Stolpersteine), Claus Humbert (Deutsch-Israelische Gesellschaft) und Thomas Lindner (Stadtwerke Witten). (v.l.) Foto: Jürgen Theobald (theo)

WAZ. Er ist zweifellos ein Hingucker: Schlicht und doch sehr edel sieht er aus, mit zarten Grautönen und kräftigem Gold: Der erste Stadtplan, der zeigt, wo die Stolpersteine in Witten verlegt wurden, kommt jetzt auf den Markt. Und alle Beteiligten waren bei der Vorstellung sichtlich stolz, dass der neue Plan so schön geworden ist.

Herausgegeben wird die Faltkarte vom Stadtarchiv in Kooperation mit dem „Arbeitskreis Stolpersteine in Witten“. Für die erste Auflage wurden 2500 Stück gedruckt, möglich wurde das durch die finanzielle Unterstützung der Stadtwerke, des Partnerschaftsvereins, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und des Stadtgeschichtsfonds.

Der Plan, der sich auf ein praktisches Handtaschen-Format zusammenlegen lässt, dokumentiert die in den beiden letzten Jahren von Gunter Demnig verlegten Stolpersteine in Erinnerung an 65 NS-verfolgte Wittenerinnen und Wittener. Er zeigt auf einer detaillierten Straßenkarte die Orte, an denen sie gewohnt haben, listet ihre Kurzbiographien auf und erzählt kurz die Geschichte der Stolpersteine in Witten. Ab dem 10. November ist der Plan im Stadtarchiv an der Bergerstraße und beim Stadtmarketing, Marktstraße 7, erhältlich. Er kostet zwei Euro, interessierte Klassen Wittener Schulen erhalten ihn gratis.

Eine von denen wird den Plan schon vor der Veröffentlichung bekommen: Eine 10. Klasse des Ruhr-Gymnasiums geht am geschichtsträchtigen 9. November los, das Werk zu erproben. Denn dafür ist der Plan gedacht: „Geschichte passiert im Raum“, erklärt Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs. Gewollt sei, dass die Schüler in diesen Raum gehen, „dass sie schauen, wie es da aussieht“. Und auch deshalb haben sich die Initiatoren gegen eine digitale Ausgabe entschieden: „Es geht bei diesem Projekt ums Sichtbarmachen.“ Und dafür eigene sich ein Papierplan nun mal besser als eine Datei. „Wobei wir nicht ausschließen, dass der Plan auch irgendwann noch digital angeboten wird.“

Jetzt aber erst mal in festem Papier, das Schmuddelwetter ebenso aushält wie eine enge Tasche. Mit goldenen Würfeln, so golden wie die Stolpersteine selbst, sind die entscheidenden Adressen markiert. Die Orte sind nummeriert, nicht die Menschen. „Das war uns gerade bei diesem sensiblen Thema ganz wichtig“, sagt Sebastian Klebe, der mit seinem Kollegen Florian Backhaus von „a design collective“ die Karte gestaltet hat. Und auch daran haben die beiden gedacht: Auf Logos – auch die der Sponsoren – wurde gänzlich verzichtet, Vorder- und Rückseite lassen sich zu einem großen Plakat mit allen Informationen zusammenlegen.

Sollte es zu einer zweiten Auflage kommen, dann wird die wahrscheinlich in englischer Sprache verfasst sein, wie Christoph Ebner vom „Arbeitskreis Stolpersteine“ erklärt: „Damit die Angehörigen der Opfer, die uns besuchen, den Plan nutzen können – und unsere Gäste aus den Partnerstädten sehen, wofür Witten heute steht.“

WAZ-Bericht von Britta Bingmann

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