Bei der Kranzniederlegung an der Synagogenstraße: Schüler Benedict Malz, Bürgermeisterin Sonja Leidemann und Alt-Bürgermeister Klaus Lohmann. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

WAZ. Rund 100 Bürger bei Gedenkveranstaltung: Reden und Kranzniederlegung am Ort, wo die Nazis in der Pogromnacht 1938 die Wittener Synagoge niederbrannten.

Auch der Himmel weinte an diesem feuchtkalten Abend. Trotzdem waren rund 100 Bürger zur eisernen Gedenkstele gekommen, wo einst die jüdische Synagoge stand, um dort mit Kranzniederlegung und nachdenklich stimmenden Reden an die Opfer der Reichpogromnacht zu erinnern.

1400 Synagogen seien in jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Nazi-Deutschland niedergebrannt worden, so Bürgermeisterin Sonja Leidemann in ihrer Ansprache. Auch jene an der Ecke Breite Straße/Synagogenstraße, gleich gegenüber dem Ruhr-Gymnasium.

Dort geht Benedict Malz in die elfte Klasse, schaut täglich auf diese bedrückende historische Stätte. Für die Schülervertretung fand auch Malz an diesem Abend bedenkenswerte Worte. Er warnte davor, „Rassimus heute wieder salonfähig zu machen.“ Gerade als junger Mensch könne man sich das Ausmaß des Terrors 78 Jahre später kaum vorstellen. „In einem Land, das man heute als das vielleicht toleranteste in Europa bezeichnet“, so der Schüler. Dennoch sei auch hier und heute Antisemitismus präsent: „Ja, die Gefahr besteht“, betonte der Schüler.

„Der Antisemitismus feiert fröhliche Urstände“, schlug auch eine Mitstreiterin aus dem soziokulturellen Zentrum „Trotz Allem“ in ihrer Rede in dieselbe Kerbe. Sie zeigte auch auf, dass die antijüdische Haltung schon lange vor den Nazis bestand. Dazu passte übrigens, dass die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zur anschließenden Ausstellung über Luther und seine üble Hetze gegen die Juden in der Annener Erlöserkirchen eingeladen wurden.

Aufgerufen zu der Gedenkveranstaltung hatten die Stadt, das Kulturforum, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, AG Witten, und der Freundeskreis der Israelfahrer. „Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft in Frieden und Freiheit leben können“, meinte Bürgermeisterin Leidemann, die an diesem Tag der Trump-Präsidentenwahl schon morgens „ein sehr schlechtes Gefühl“ beschlichen habe.

WAZ-Bericht von Michael Vaupel

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