Engagieren sich für die Freundschaft zu Israel: Brigitte Obenaus (Freundeskreis), Pfarrer Claus Humbert, Klaus Lohmann (DIG) und Karlheinz Dressel (Freundeskreis). Foto: Thomas Nitsche

WAZ. Schon in den 60er Jahren suchten Wittener Kontakt nach Israel. Nun haben die beiden Vereine bereits 30. und 50. Geburtstag. Das wird groß gefeiert.

Als 1966 die erste Gruppe 33 junger Wittener nach Israel reiste, waren sich beide Seite fremd, musste auch der Schatten der Nazi-Gräuel abgeschüttelt werden. Doch bereits der Abschied nach zwei Wochen verlief herzlich und tränenreich.

Seitdem hat es viele Begegnungen zwischen Wittenern und Israelis aus Ein Wered/Lev Hasharon gegeben. Für gute Beziehung sorgt seit 50 Jahren der „Freundeskreis der Israelfahrer“ und seit 30 Jahren die „Arbeitsgemeinschaft Witten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ (DIG). Zu beiden Jubiläen gibt’s nun Feiern an den kommenden Wochenenden.

Die DIG-Veranstaltung findet am Sonntag (13. 11.) ab 18 Uhr in der Annener Erlöserkirche statt. Musikalisch umrahmt wird sie vom Konzertprogramm „Numi Numi“, benannt nach einem bekannten israelischen Wiegenlied. Sängerin Esther Lorenz präsentiert israelische und spanisch-jüdische Musikkultur. Begleitet wird sie vom Gitarristen Peter Kuhz.

Den Festvortrag hält Rainer Stuhlmann, Studienleiter einer Siedlung in Israel, die Begegnung zwischen Christen, Juden uns Muslimen ermöglicht. Er spricht über „Die Situation in Israel 2016 zwischen Hoffen und Verzweifeln“. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist kostenlos.

Am Samstag, 19. November, feiert dann der Freundeskreis ab 19.30 Uhr in der Piusgemeinde in Rüdinghausen. Mitbegründer Karlheinz Dressel spricht über die bewegte Geschichte des Vereins, außerdem gibt es eine Bilderpräsentation aus den vergangenen 50 Jahren. Klezmer-Musik umrahmt die Veranstaltung. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Der Eintritt kostet zehn Euro. Während zur DIG-Veranstaltung keine Gäste aus Israel anreisen, rechnet Brigitte Obenaus vom Freundeskreis bei dessen Fest mit „maximal drei Gästen aus Israel“. Heute leben übrigens wieder etwa 250 jüdische Bürger in Witten, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es nicht mehr als eine Handvoll.

Die Folgen des Nazi-Terrors gegen Juden in Deutschland waren in Israel noch lange nach Kriegsende spürbar: „Als wir 1966 dort waren, bestand der Knesset-Beschluss, keinen Jugendaustausch mit Deutschland zuzulassen“, erinnert sich Karlheinz Dressel (82). „Auf Knopfdruck“ hätte sich das nicht ändern lassen, sondern es sei ein allmählicher Annäherungs- und Vertrauensprozess gewesen. Seit 1974 verstetigte sich dann der Jugendaustausch. Bis heute gibt es 21 Begegnungen in Israel, 18 in Witten. Rund 600 Jugendliche haben insgesamt an dieser Form der Völkerverständigung teilgenommen. Hinzu kommen seit 1981 Begegnungen zwischen Erwachsenen beider Länder, an denen 360 Bürger teilnahmen.

Außerdem reisten seit 1976 fünf Ratsdelegationen nach Israel bzw. von dort hierher. Und bis heute fliegt jedes Jahr eine Delegation aus Israel zur Wittener Zwiebelkirmes. Stets mit dabei: Amir Ritov, Landrat aus Lev Hasharon. Mit jenem Landkreis verbindet Witten seit Jahrzehnten eine Patenschaft, wie u. a. auch mit dem österreichischen Gebirgsort Mallnitz.

„2013 hatten wir dort ein erstes Camp mit Jugendlichen aus unseren anderen Partnerstädten, darunter zehn Teilnehmer aus Israel. 2016 ein zweites, das nächste ist 2019 geplant. Von unseren Hütten dort ist die nach Lev Hasharon die beliebteste“, so Alt-Bürgermeister und DIG-Mitglied Klaus Lohmann. Nicht ohne Stolz meint er weiter: „Wir haben ein tolles Netz an Städtepartnerschaften, während die in vielen anderen Kommunen eingeschlafen sind.“

Der „Freundeskreis der Israelfahrer“ hat heute rund 60 Mitglieder, der „Arbeitsgemeinschaft Witten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ (DIG) gehören 25 Personen an. Bei beiden Vereinen kommen Mitglieder auch aus den umliegenden Städten.

Warum die Wittener Gesellschaft einst entstand, obwohl es den Freundeskreis schon gab, bei dem persönliche Verbindungen zwischen beiden Ländern im Vordergrund stehen, begründete Klaus Lohmann bei der DIG-Gründung 1986 so: „Wir stellen fest, dass dem Freundeskreis von seinen Aufgaben nichts abgenommen werden soll und wir unser Tätigkeitsfeld vornehmlich in politischen Veranstaltungen sehen, die sich insbesondere mit dem Nahost-Konflikt, mit dem leider an einigen Stellen in der Bundesrepublik aufkommenden Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit befassen sollen. Weiterhin sind kulturelle und historische Veranstaltungen sinnvoll.“

Weiterhin meinte er: „Wir denken, dass in einer Stadt wie Witten mit einer so breiten und starken Verbindung zu Israel, beide Orangisationen auf verschiedenen Feldern harmonisch für die Sache des Friedens und der Völkerverständigung im Nahen Osten arbeiten können.“

WAZ-Bericht von Michael Vaupel

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