Bitte lächeln: Die Gäste aus Kursk, gemeinsam mit Schülern der Hardenstein-Schule und Vertretern des Freundeskreises Witten-Kursk vor dem Rathaus. Bürgermeisterin Sonja Leidemann hatte am Dienstag eingeladen. Die Russen überreichten ihr als Gastgeschenk eine Uhr, auf der eine Nachtigall zu sehen ist. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

WAZ. Sie haben eine 2700 Kilometer weite Reise hinter sich, sind erst mit dem Bus nach Moskau gefahren, dann von dort nach Köln geflogen. Am Dienstag wurden 34 Kursker, darunter 15 Schüler des „Lyzeums Nr. 6“ der russischen Industriestadt, von Bürgermeisterin Sonja Leidemann im Ratssaal willkommen geheißen. Bis Montag werden die Russen Gäste Wittener Familien sein. Wie die 13-jährige Alina Zaxarova, die in der Herbeder Holland-Siedlung einige Tage bei den Karstens leben wird.

Deren Tochter Greta besucht die Hardenstein-Gesamtschule. Und die Sechstklässlerin freut sich schon darauf, im nächsten Jahr zum Gegenbesuch mit anderen Mädchen und Jungen ihrer Herbeder Europaschule nach Kursk fliegen zu können.

Ein Schüleraustausch, eine Reise in ein für Greta fernes, unbekanntes Land. In Holland, Dänemark und Frankreich ist sie schon gewesen, erzählt die Zwölfjährige. Aber Russland, „neiiin“, schüttelt Greta den Kopf.

Mit Alina spricht sie Englisch – so gut es eben geht. Wenn beide nicht mehr weiterwissen, kommen Hände und Füße zum Einsatz. Wobei Alina noch ein wenig schüchtern ist und Fremden gegenüber nur freundlich lächelnd bestätigt, dass sie Witten wirklich sehr schön finde. Vielleicht entwickelt sich aus der Begegnung der Schülerinnen ja eine Freundschaft. Was den Freundeskreis Witten-Kursk sehr freuen würde, der den Austausch zwischen der Hardenstein-Gesamtschule und dem „Lyzeum Nr. 6“ angeregt hat.

Ein Vierteljahrhundert besteht die Städtepartnerschaft zwischen Witten und der rund 450.000-Einwohner-Stadt Kursk jetzt, sagte Dieter Boele vom Vorstand des Freundeskreises in seiner Willkommens-Rede im Rathaus.

Boele erinnerte auch an die Anfänge seines Freundeskreises. An friedensbewegte Menschen, für die die Völkerverständigung bis heute eine Herzenssache ist, die nach den Gräueltaten, verübt im Zweiten Weltkrieg, und den Erfahrungen mit dem Kalten Krieg auf Versöhnung, auf einen dauerhaften Frieden hoffen – nicht nur zwischen Russen und Deutschen. Und dieses Anliegen sei angesichts der derzeitigen politischen Lage aktueller denn je, betonte Boele.

Die Hardenstein-Gesamtschule will den Jugendlichen aus Kursk ein wenig von NRW zeigen. Heute fahren die Russen gemeinsam mit 15 Hardensteinern zum Oberhausener Gasometer, wo die bildgewaltige Ausstellung „Wunder der Natur“ zu sehen ist. Am Freitag, so Lehrerin Margareta Schlingmann, stehe Köln auf dem Programm. Auf jeden Fall der Dom, „vielleicht auch noch das Schokoladenmuseum“. Am Montag nächster Woche wird man den jüdischen Friedhof in Herbede besuchen, wo während des Zweiten Weltkrieges 22 russische Zwangsarbeiter beerdigt wurden.

Auch Laura Wegmann hat eine Kursker Schülerin zu Besuch, Julia. Die beiden 14-Jährigen teilen sich ein paar Tage lang Lauras Kinderzimmer, sie wollen auch einmal zusammen shoppen gehen. Manchmal ist Völkerverständigung ganz einfach – auch wenn man nicht die Sprache des anderen spricht.

WAZ-Bericht von Jutta Bublies

 

zurück