WAZ. Sechs aufregende Tage liegen hinter 15 polnischen Jugendlichen aus der Partnerstadt Tczew. Sie sind als Austauschschüler zu Gast an der Holzkamp-Gesamtschule. Und lernen nicht nur Land und Leute kennen, sondern erarbeiten sich im Unterricht auch ein Stück gemeinsame Geschichte – die Beziehungen beider Länder von der Kaiserzeit bis heute. So steht es auf dem Stundenplan der Jahrgangsstufe 11 der Holzkampschule und ihrer Gäste von der „Lespoz Szkoz Ekonomicznych“ in Tczew.

Am Ende der Projektwoche gibt es eine Ausstellung unter dem Titel „Geschichte der Polen im Ruhrgebiet“. Im Herbst soll die Infoschau auf Wanderschaft nach Polen gehen. Dann ist der Besuch der Holzkamp-Schüler in Tczew geplant.

Gestern gab es einen offiziellen Empfang im Partnerschaftszimmer des Rathaus. Bürgermeisterin Sonja Leidemann freute sich, dass trotz der schwierigen politischen Situation die jungen Leute nach Witten gekommen sind.

„Austausch zwischen den Partnerstädten ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr“, betonte sie. „Eine Partnerschaft fällt und steht mit dem persönlichen Engagement aller Beteiligten.“ Stellvertretend dankte sie den langjährigen Betreuern und Initiatoren. Walter Sander von der Holzkamp-Gesamtschule und Alicija Lazarowska aus Tczew. Seit Jahren betreut die Lehrerin die Schülergruppen. Als Dolmetscherin ist sie die Brücke zwischen beiden Sprachwelten.

Die jungen Polen lernen in der Schule zwar Deutsch, aber mit der Sprachpraxis hapert es noch ein wenig. „Zu viel Grammatik“, sagt Dagmara (28). „Zu wenig Sprechen.“ Und dass sich jetzt in der Fremde niemand so recht traut, kann man verstehen. Aber erfreulicherweise klappt die Kommunikation auf Englisch beinahe problemlos.

Beim Empfang lernen die polnischen Gäste sehr viel über die einzelnen Partnerstädte der Ruhrstadt. Sie erfahren, dass in Witten rund 100000 Menschen leben und es 30000 Arbeitsplätze gibt. Tczew ist mit 60000 Einwohnern vergleichsweise kleiner. Die Bürgermeisterin erzählt auch, dass in jüngster Zeit 1600 Flüchtlinge in Witten vorübergehend eine neue Heimat gefunden haben. Und sie erwähnt, dass im 19. Jahrhundert viele Menschen aus Polen in den Kohlenpott kamen. „Heute erinnern nur noch sehr viele Namen daran“, betont die Bürgermeisterin. „Eine Willkommenskultur gab es also immer schon. In diesem Sinne heiße ich alle herzlich willkommen.“

Untergebracht sind die jungen Leute bei Gastfamilien, wo sie gemeinsam den deutschen Alltag erleben können. Lediglich vier Mädchen wohnen im Lukaszentrum des Diakoniewerkes. „Da gab es leider ein paar Rückzieher“, bedauert Sander. In der Freizeit erkundeten die Schüler gemeinsam die Schönheiten der Ruhrstadt. Morgen bereits besteigen die Polen wieder das Flugzeug Richtung Heimat.

WAZ-Bericht von Barbara Zabka

 

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