Israelische Gastschüler besuchen Stolpersteine in Witten am 24.03.2015. Die Schulergruppe aus der Partnerstaadt Ein Vered besucht die Holzkamp-Gesamtschule in Witten. Foto: Barbara Zabka Funke Foto Service

WAZ. 17 Schüler aus Israel sind nach Witten gekommen, um mehr über die Nazi-Zeit und die „heutigen“ Deutschen zu erfahren. Erste Freundschaften schon geknüpft .

Es sind drei kleine Steine auf dem Bürgersteig an der Nordstraße 23, vor denen Schüler nachdenklich hocken. Diese kleinen Steine haben für sie eine große Bedeutung.

Die Stolpersteine erinnern an die jüdische Familie Marx, die den Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Die Schüler kommen aus dem israelischen Kreis Lev Hasharon. Sie wollen vor Ort lernen, was Schreckliches passiert ist, was das für ein Land ist, in dem es zum Holocaust kommen konnte. „Hier kann man die Geschichte fühlen“, sagt die israelische Schülerin Romi (17). „Es ist ein sehr spezielles Gefühl, hier zu sein. Nicht so, als wäre man irgendwo in England oder so.“

Die 17 Jugendlichen aus Israel sind an diesem Tag nicht alleine unterwegs. Mit dabei sind Schüler der Holzkamp-Gesamtschule (HGE), die die Gäste aus Israel beheimaten. Seit 2007 läuft das Austauschprojekt. Am Mittwoch besuchen sie den jüdischen Friedhof am Ledderken, am Donnerstag fahren sie gemeinsam nach Berlin. Und im Herbst reisen die Wittener Schüler dann nach Lev Hasharon. „Viele Gruppen von früher sind noch in Kontakt“, weiß Holzkamp-Lehrer Jörn Obenhaus.

Auch bei der aktuellen Gruppe haben sich bereits Freunde gefunden. „Am Flughafen rannten wir uns in die Arme, obwohl wir uns gar nicht kannten“, erinnert sich Holzkamp-Schülerin Steffi. „Wir hatten bis dahin nur über Chats Kontakt.“ Die 17-Jährige hat Juval (16) zu Gast. „Wir sind Freunde“, sagt sie und fügt an: „Hier möchte ich Leute in meinem Alter kennenlernen. Sie sind anders als früher.“

Die Gruppe aus deutschen und israelischen Schülern ist gerade in der Innenstadt unterwegs, es wird gelacht, mancher macht ein Erinnerungsfoto. Dann wird es ernst. Nachdenklich hören sie Michel zu, der sich in der Breite Straße auf eine Treppe gestellt hat und etwas auf Englisch vorträgt. Hier habe Wilhelm Erdmann gelebt, den die Nazis wegen seiner Homosexualität verfolgt hätten. „Er musste mehrere KZs durchleben“, erklärt der 18-Jährige von der HGE.

So eine „Geschichtsstunde hautnah“ lässt gerade die israelischen Schüler nicht kalt. „Wir können vergeben, aber nicht vergessen, was passiert ist“, meint Saar (17). Auch viele HGE-Schüler machen sich Gedanken. „Es ist ein komisches Gefühl, dass die Vorfahren der Austauschschüler womöglich auch gelitten haben“, sagt Sara (17). Doch dann blickt sie nach vorne. „Wir müssen die Freundschaften pflegen.“ Michel fügt hinzu: „Treffen wie dieses sind wichtig. Diskriminierung ist noch aktuell.“

Viele israelische Gäste zumindest haben von den Wittenern einen guten Eindruck bekommen. „Sie sind richtig nett“, sagt ein Schüler.

WAZ-Bericht von Dennis Sohner

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