Zum Gruppenbild mit Bürgermeisterin Sonja Leidemann formierten sich die Gäste aus Kursk auf der Rathaustreppe. Foto: Thomas Nitsche

WAZ. 15 Gäste aus dem russischen Kursk wohnen in Gastfamilien in Witten. Und reden dabei auch über den Ukraine-Konflikt. Eine Begegnung.

Sie wirken überhaupt nicht, als wenn sie aus einem Krisenherd kämen. Und doch sind die Gäste aus dem russischen Kursk, die zurzeit für eine Woche in Witten zu Gast sind, ganz nah dran. Ihre Heimatstadt grenzt an das umkämpfte Gebiet der Ostukraine. Umso wichtiger, sagen sie, dass Menschen verschiedener Völker sich als Freunde die Hand reichen.

„Unsere Städtepartnerschaft gibt es jetzt seit 25 Jahren”, erzählt Nadia Sotnikova stolz. Die Lehrerin, die an einer Schule in Kursk Deutsch unterrichtet und die deutsche Sprache exzellent beherrscht, ist selbst erst 25, sitzt aber schon seit zwei Jahren dem russischen Freundeskreis vor, der die Partnerschaft mit Witten pflegt. „Es ist wichtig, dass eine neue Generation die Verbindung zwischen den beiden Städten weiter trägt”, begründet sie ihr Engagement.

Diese Verbindung drückt sich in regelmäßigen Besuchen und Gegenbesuchen aus. Von ihrem ersten Aufenthalt im russischen Kursk berichtet Christa Thierig. Sie gehört zu den rund 20 Wittenern, die in den 1980er Jahren die Städtepartnerschaft von deutscher Seite aus begründet haben und noch heute zum Freundeskreis Witten-Kursk gehören. „Das muss 1988 gewesen sein, also noch vor der Wende. Wir kamen in Kursk auf dem Bahnhof an, es war fünf Uhr früh – und der Bahnhof war voll mit Menschen. Ich dachte: Hier gehen die Leute aber früh zur Arbeit. Dabei waren sie das Empfangskomitee für uns!”

Vieles gehe verloren im Eifer des straffen Besuchsprogramms, das auch dieses Mal wieder mit Aktivitäten gespickt ist, findet Freundeskreis-Mitglied Klaus-Peter Kieselbach. „Die Partnerschaft wurde damals als Zeichen gegen das Wettrüsten ins Leben gerufen. Das war aktive Friedenspolitik. Das sollte man nicht vergessen.” Umso wichtiger, dass diese Partnerschaft heute, während wieder ein Krieg in Europa schwelt, so gefestigt ist. „Wir können so viel voneinander lernen”, meint Nadia Sotnikova. „Jeder Besuch in Deutschland erweitert unseren Gesichtskreis.“

WAZ-Bericht von Tina Bucek

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