Ruhr Nachrichten. Zum ersten Mal seit Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Witten und Kursk war am Donnerstag eine Delegation aus Kinderärzten und anderen Fachkräften für Jugendhilfe zu Gast in Witten. Gemeinsam diskutierte man unter anderem über die Unterschiede im Arbeitsalltag.

Kinder von Geburt an zu fördern: Das haben sich verschiedene Einrichtungen aus Witten und der Partnerstadt Kursk zu Herzen genommen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Arbeit gibt es viele, so das Fazit einer Diskussion am Donnerstag.

„Frieden und Austausch“ sind laut Bürgermeister-Stellvertreter Hans-Ulrich Kieselbach zwei Hauptgründe für eine Städtepartnerschaft. Mit der russischen Stadt Kursk gibt es diesen Austausch nun schon seit 1987. Erstmals war am Donnerstag eine Delegation aus Kinderärzten und anderen Fachkräften für Jugendhilfe aus Kursk zu Gast. Gemeinsam mit Vertretern des Wittener Jugendamtes, der Erziehungshilfe, der Frühen Hilfe und Ärzten aus Witten wurden Erfahrungen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen in den beiden Partnerstädten ausgetauscht. Laut Kieselbach sei ein Austausch gerade in diesem Bereich wichtig.

„So groß sind die Unterschiede gar nicht, wir wollen alle eins: Helfen“, stellte Tatjana Subarewa im Laufe der Diskussion fest. Sie leitet ein Jugendhilfeinstitut in Kursk. Gemeinsam mit insgesamt 30 Ärzten und Pädagogen machte sie von Mittwoch bis Freitag Station in Witten. Ihre Einrichtung ist in Russland ein Unikum, sagt sie. „Über 23 000 Kinder haben in den vergangenen sieben Jahren bei uns kostenlos Hilfe bekommen.“ Hilfe, sowohl im medizinischen, als auch im pädagogischen Bereich.

Bei der Diskussion im Rathaus stellte Gorden Stelmaszyk auch die „Frühen Hilfen“ in Witten vor. Familien werden hier schon vor der Geburt des Kindes auf Hilfen und Fördermöglichkeiten in Witten aufgeklärt. „Wir drängen uns nicht auf. Jede Hilfe ist freiwillig.“ Die Angebote seien zu 95 Prozent ausgelastet. Die Gäste aus Kursk überrascht das. „Nicht zu 100 Prozent? Bei uns gab es noch nie Absagen, wir kennen nur lange Schlangen von Menschen, die unsere Hilfe brauchen“, so Tatjana Subarewa. Besonders überrascht sie auch die staatlichen Hilfen in Deutschland. „Kinder- und Elterngeld: So etwas können wir uns nicht vorstellen.“

Laut Dr. Detlef Thierig vom Freundeskreis Witten-Kursk, habe die Debatte gezeigt, dass ein Austausch der Fachkräfte zum Wohl der Kinder unabdingbar ist.

Bericht aus den Ruhr Nachrichten von Jutta Lütkecosmann

 

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