Bericht aus der WAZ. Die Besucher des Trödelmarktes auf dem Ostermann-Gelände trotzten am Sonntag dem schlechten Wetter. Mit den Einnahmen werden zum Teil Partnerschaftsprojekte finanziert.

Wie oft Horst Görlitz schon in Wittens russischer Partnerstadt Kursk war, kann er nicht genau sagen. "Zehn bis zwölf Mal bestimmt." Görlitz ist stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Witten-Kursk und schon seit über 20 Jahren in dem Verein aktiv. Dass er sich gestern mit seinen Mitstreitern am 13. Partnerschaftsflohmarkt auf dem Ostermann-Gelände beteiligt hat, war für ihn selbstverständlich.

Neben dem Freundeskreis bauten 18 weitere Vereine und Gruppen ihre Stände auf - sie alle engagieren sich für Wittens acht Partnerstädte. Ob sie mit den Einnahmen eigene Aktivitäten finanzieren oder den von der Stadt verwalteten Partnerschaftsfonds stärken, ist jeder Initiative selbst überlassen.

Ein Jahr haben sie gesammelt, Dachböden und Keller nach Brauchbarem durchforstet - nun reihen sich Weingläser und Vasen neben unzähligen Bücherkartons, Schuhen und Klamotten. Die Helfer des Jugendrotkreuzes haben sch auf das schlechte Wetter eingestellt und preisen Regenschirme an.

600 Euro hat der Freundeskreis Witten-Kursk im vergangenen Jahr eingenommen, wegen der Regengüsse wird es dieses Mal wohl etwas weniger sein, schätzt Horst Görlitz. Die Stimmung ist trotzdem gut - die Vereinsmitglieder haben schließlich ein wichtiges Anliegen. "Wir wollen auf die Aktion zur Local-Hero-Woche aufmerksam machen", sagt Horst Görlitz. Wenn Witten vom 20. bis zum 26. Juni im Mittelpunkt der Kulturhauptstadt steht, treten das staatliche Puppentheater und ein Kinderchor aus Kursk auf. "Die müssen 2500 Kilometer weit reisen - da wäre es ja schade, wenn keiner kommt." Was der Verein mit den Einnahmen vom Trödelmarkt macht, ist auch schon klar: Die Gruppen müssen untergebracht und versorgt werden.

Auch unabhängig von Kulturhauptstadt-Projekten sei die Partnerschaft zwischen Witten und Kursk lebendig, beobachtet Görlitz. "Allerdings ist das Interesse bei den Kurskern etwas größer." Vor allem sei es schwer, Wittener Jugendliche zu begeistern. "Die fahren lieber nach Italien, Spanien oder England", glaubt Horst Görlitz.

"Im Großen und Ganzen funktionieren alle Städtepartnerschaften", sagt Erich Bremm. "Das geht immer in Wellen" - mal laufe es mit der einen Stadt besser, dann wieder mit einer anderen. Der 68-Jährige war 20 Jahre lang Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, nun ist er Stellvertreter. Er kann sich noch gut erinnern, wie die Idee zum Trödelmarkt entstand. "Nachdem die Stadt keine Zuschüsse für Begegnungen mehr gegeben hat, haben wir uns überlegt: Was kann man machen, um nicht immer betteln zu müssen?"

Besonders groß sei derzeit das Interesse am Schüleraustausch mit Beauvais. Dafür gibt es keine gemeinsamen Fahrradtouren mit den Franzosen. "Dort ist keiner mehr, der das organisiert", bedauert Bremm. "Das wird zwei, drei Jahre dauern, bis wir etwas anderes organisiert haben."

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